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Mittwoch, 10. Februar 2010

Das nur dazu!

Heute eine neue Karte von meinem Stalker. (Ich weiß, ich habe länger nicht mehr über ihn geschrieben, aber ich hätte können, Gelegenheiten hat er mir genug gegeben!):

"Liebe megaphon, ich habe schrecklichen Liebeskummer deinetwegen! Das nur dazu! - P.S.: Ich bewundere Dich sehr!"

Fuck off.



Q: http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/valentine-darwin.gif

Mittwoch, 16. September 2009

Even Your Stalker Is A Human Being


Heute wieder eine Karte von meinem Stalker. Meine Chefin überreichte sie mir und meinte, da sei wohl mal ein klärendes Gespräch nötig... Sie schlug vor, ihm gegenüber einfach mal meinen Freund zu erwähnen, am besten in einem Kontext von "Mein Freund wird schon langsam eifersüchtig, weil du mir so viele Karten schreibst..." - Find ich gar nicht schlecht, werd ich wohl so machen. Sowas kann man auch am Tresen sagen, ohne dass S. sein Gesicht verliert. Sie hat mir auch noch ein bißchen aus seiner Lebensgeschichte erzählt, dass er manisch-depressiv ist und in den fünfziger Jahren mit Medikamenten kaputtgeheilt wurde, so dass er jetzt auch noch andere Schäden hat.

Jetzt tut er mir fast ein bißchen leid... Aber trotzdem grusel ich mich immer noch ein wenig! Und wie kommt so jemand überhaupt auf den Gedanken, dass da irgendwann mal irgendwas entstehen könnte? Himmel, der Typ ist über sechzig!!! Ich werde mal diese Freund-Erwähn-Nummer machen und weiter berichten.

Q: http://i225.photobucket.com/albums/dd295/m3rc1l3ss/stalking.jpg

Mittwoch, 9. September 2009

Unheimliche Begegnung

Ein ganz normaler Abend. Denkt man. Aber das Leben hat mich auch gelehrt: Hinten kackt die Ente. Normaler Abend also, kellnern. Zwischendurch, so gegen 22.00, saß ich draußen auf den Stufen und rauchte eine. Es regnete stark. Neben mir unterm Dach stand ein Gast und telephonierte. Als er fertig war, schnorrte er mich um ne Kippe an. Normalerweise lehne ich sowas kategorisch ab, sonst hätt ich nach der Schicht eine leere Schachtel in der Hand; sein Berliner Akzent rührte mich aber, und ich gab ihm eine.

Gegen 23.30 ging er dann, bzw. bezahlte die Gruppe, mit der er da war, und alle gingen zusammen. (Nette Runde, normaler Tip.)

So um 02.00, vielleicht später, hatten wir Feierabend und schlossen ab. Wenn wir das Gitter runterlassen, ist normalerweise niemand mehr auf den Straßen, also hat mich die Bewegung im Augenwinkel irritiert; ich blickte mich um und erblickte obengenannte Gast. Ich lächelte und winkte, er lächelte und winkte zurück. Ich verabschiedete mich von meinem Kollegen und ging nach Hause. Ich habs nicht weit, nur ein paar Meter. Da es noch relativ früh war, hatte ich mir votgenommen, noch ganz genüßlich eine Folge One Tree Hill zu gucken. Also ins Bad, Bademantel an, Frisur auflösen, zurück ins Zimmer, Laptop einstöpseln und hochfahren.

Plötzlich klopft es ans Fenster. Ich ignoriere das. Meine Wohnung liegt Hochparterre, ich bin oft noch spätabends wach und habe keine Gardinen, da klopft oft irgendein Spaßvogel im Vorbeigehen an die Scheibe. Oft sitze ich auch, für die Passanten unsichtbar, auf meinem Sofa und höre, wie sie meine Bücherregale kommentieren. Ich gebe zu, vielleicht ist es in meinem Fall nicht so klug, keine Gardinen zu haben, aber ehrlicherweise kann ich mir nicht vorstellen, dass irgendjemand es spannend findet, mir dabei zuzusehen, wie ich am Computer sitze oder ein Buch lese. Ich ignoriere dieses Klopfen also.

Da klopft es wieder. Ich spähe ins Dunkel, und - der geneigte Leser wird es längst erraten haben - vor meinem Fenster steht der berlinernde Gast. Er sagt irgendwas. Ich öffne das Fenster:

"Das ist jetzt wahrscheinlich ziemlich komisch, aber ich hab Dich gesehen und find Dich unglaublich. Ich hatte gehofft, Dich nochmal wiederzusehen, und dann kamst Du aus dem Laden, und dann ging hier das Licht an... Ich würde Dich wahnsinnig gerne kennenlernen."

"Das finde ich sehr schmeichelhaft, aber ich bin leider schon vergeben."

"Das hatte ich mir fast gedacht ... aber ich wollte es wenigstens versuchen!"

Wir sagten freundlich Gute Nacht, und ich habe ihn nie wiedergesehen. Aber ich frage mich - was wäre gewesen, wenn mein Verfolger kein freundlicher Berliner gewesen wäre? Sondern einer von den vielen Freaks, denen man beim Kellnern so begegnet? Gruselig.

Diesen Herbst kauf ich mir Gardinen.

Freakshow

Ich habe einen neuen Stalker. Das heißt, eigentlich hab ich ihn schon seit einer Weile, aber langsam mache ich mir Gedanken. Der Mann, nennen wir ihn S., ist circa dreißig Jahre älter als ich, lebt in einem Heim für seelisch behinderte Menschen und ist angeblich eigentlich schwul. - Was sind seelisch behinderte Menschen??? Meine Schwester sagt, so werden Menschen mit psychischen Störungen von Behörden bezeichnet, zum Beispiel Depressive, Suchtkranke und Autisten.

S. sprach mich eines Tages im Bus an, weil er mich im Fernsehen gesehen und jetzt erkannt hatte. Er wirkte ein bisschen komisch, aber ich war trotzdem nett, weil ich nun mal nett bin. Meistens. Er fragte mich, wo ich hin wolle und fand so heraus, dass ich am Theater arbeite. Ich begann ihn immer häufiger im Bus zu treffen; man fährt ja doch immer dieselben Strecken, aber ob er auch vor unserer Bekanntschaft immer mit diesen Linien zu diesen Zeiten gefahren ist, kann ich nicht sagen.

Als Nächstes wurde mir zum Verhängnis, dass diese Stadt einfach zu klein ist. 250.00 Einwohner sind nicht genug, um allen Leuten, die man nicht treffen will aus dem Weg zu gehen. Mein neuer Freund S. hatte herausgefunden, in welcher Bar ich kellnere, und noch schlimmer, er war früher Stammgast gewesen. Logische Konsequenz daraus war, dass ich Besuch bekam. Glücklicherweise kann er sich nicht immer merken, welche Schichten ich arbeite - so begann der Reigen der Geschenke. Päckchen, die auf mich warteten, wenn ich meine Schicht begann. Bücher, CDs, Karten.

"Liebe megaphon, ich mag Dich sehr", "Ich wünschte, Du wärst hier" oder "Wollen wir zusammen auf das Tote-Hosen-Konzert gehen?". Ein Zitat aus dem Song von Nena: "Gib mir die Hand, ich bau Dir ein Schloß aus Sand, Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann". Gestern gab es eine Karte mit "Je t'aime, Mademoiselle".

Das wird mir jetzt doch ein bißchen zuviel. Ich habe keine richtige Angst, dass er mir was antut, ich denke, ich bin S. körperlich überlegen. Er erzählt auch häufig zusammenhanglose Dinge, oft auch mehrmals, weil er offensichtlich vergessen hat, dass er sie mir schon erzählt hat. Meine Chefs, die ihn schon länger kennen, sind belustigt und vor allen Dingen erstaunt, weil S. ihren Angaben zufolge schwul ist. Er hatte mir auch erzählt, dass sein Freund an AIDS gestorben ist. trotzdem scheint er sich jetzt für mich zu interessieren.

Auf der einen Seite wirkt er ungefährlich, und meine Chefs sagen auch, er sei harmlos. Auf der anderen Seite ist es gerade die Mischung aus Verwirrtheit und Vernunft, die mich gruselt. Vorletztes Mal hatte er einen Freund mitgebracht, offensichtlich einen Mitbewohner aus dem Heim, in dem er lebt. Der starrte mich die ganze Zeit an. Ich kam mir vor wie im Zoo. (Das ist natürlich beim Kellnern häufiger der Fall.) Erst beim Bezahlen stotterte er einen Satz hervor: "B-bist D-du wirklich d-die aus dem F-fernsehen?". Dieser Typ war deutlich größer und breiter als ich, und ich bin nicht traurig, wenn ich ihn nie wiedersehe.

Ich muß mit ihm reden, denn das muß aufhören. Es ist nichts passiert, aber ich fühle mich unwohl. Nur ist es während der Schicht schwierig, ein solches Gespräch zu führen, und das Letzte, was ich will, ist, mich privat mit ihm zu treffen! Liebe bis zum heutigen Tag nichtexistente Leserschaft, irgendwelche Vorschläge?